Parkett geölt oder lackiert?

Landhausdiele Lärche geölt - ein lebendiger Boden

Der Artikel wurde am 12.05.2020 zum letzten Mal überarbeitet.

Was ist besser – geöltes oder lackiertes Parkett? Diese Frage werden Sie sich unweigerlich früher oder später stellen, wenn Sie sich für einen Parkettboden entscheiden. Eine richtige Antwort darauf gibt es allerdings nicht. Denn beide Oberflächenbehandlungen haben ihre Vor- und Nachteile. Welche? Das haben wir für Sie in diesem Artikel zusammengefasst.

Das Fazit zuerst: Es ist reine Geschmacksache

Lackierte und geölte Parkettböden weisen gewisse Unterschiede hinsichtlich Eigenschaften und Beschaffenheit auf, die sich wiederum in verschiedenen Vor- und Nachteile widerspiegeln. Geöltes Parkett ist etwas empfindlicher, etwas pflegeaufwändiger, dafür aber natürlicher und hochwertiger.

Welche Oberfläche für Sie am besten geeignet ist, hängt dementsprechend davon ab, was Ihnen in Bezug auf Ihren Fußboden am wichtigsten ist.

Warum ist eine Oberflächenbehandlung wichtig?

Die Frage nach der optimalen Oberflächenbehandlung von Parkett ist mindestens genauso relevant, wie die Entscheidung für Massiv- oder Fertigparkett, schwimmender oder verklebter Verlegung, die Holzart oder das Design des Bodenbelags. Denn sie verleiht dem Parkettboden sein typisches Erscheinungsbild und schützt ihn zudem vor Schmutz, Feuchtigkeit und Abnutzung.

Die Oberfläche von Parkett kann mit Lack, Öl oder Wachs behandelt werden, wobei gewachste Böden in der jüngeren Vergangenheit immer seltener üblich sind. Welche Methode am besten geeignet ist, kann nicht pauschal beantwortet werden. Die Entscheidung hängt von individuellen Vorlieben und der Beanspruchung des Fußbodens ab, denn zwischen geöltem und lackiertem Parkett gibt es doch einige wesentliche Unterschiede.

Versiegelung vs. Imprägnierung – der entscheidende Unterschied zwischen Lack und Öl

Der wesentliche Unterschied zwischen geöltem und lackiertem Parkett ist die Auswirkung auf die Oberfläche. Bei der Behandlung mit Öl wird das Parkett  imprägniert. Die Poren des Holzes bleiben offen und das Material kann atmen. Im Gegensatz dazu wird die Oberfläche bei lackiertem Parkett vollflächig versiegelt. Der Lack bildet eine zusätzliche Schutzschicht und verschließt die Poren des Holzes. Aus diesem Unterscheidungsmerkmal resultieren im Grunde alle Vor- und Nachteile der beiden Behandlungsarten, die wir im Folgenden näher erläutern:

Geöltes Parkett Lackiertes Parkett
Schutz
  • Etwas anfälliger als lackiertes Parkett
  • Widerstandsfähiger
Reinigung
  • Idealerweise mit spez. Holzbodenseife
  • Staubsauger mit Aufsatz
  • Leicht zu reinigen
  • Feucht wischen
Pflege
  • Erstpflege empfohlen
  • Nachölen nach 2-4 Jahren
  • Keine Erstpflege notwendig
  • Lackpflege kann Abnutzung durch kleine Kratzer verlangsamen
Reparaturen
  • Kratzer sind nur optische Mängel
  • Kleine Kratzer nur wegpolieren
  • Kann abgeschliffen und neu geölt werden
  • Kratzer können wasseranfällig machen
  • Kleine Kratzer mit Polish
  • Tiefere Kratzer aufwändig abschleifen und neu versiegeln
Raumklima
  • Reguliert das Raumklima schneller
  • Holz „atmet“
  • Kaum Einfluss auf Raumklima
Optik & Haptik
  • Meist matter
  • Fühlt sich wie Holz an
  • Boden „fühlbar“
  • Meist glänzender
  • Glatte Oberfläche
  • „Künstliches“ Gefühl

1. Schutz

Lackiertes Parkett gilt generell als widerstandsfähiger und robuster als geöltes Parkett. Durch die zusätzliche Schutzschicht des Lackes wird der Boden effektiver vor Schmutz, Nässe und Abnutzung geschützt. Im Vergleich dazu kann es bei geöltem Parkett rascher zu Abnutzungserscheinungen und Schäden kommen, da die Belastungen und Beanspruchungen direkt auf die Oberfläche einwirken.

2. Reinigung

Die logische Konsequenz der höheren Widerstandsfähigkeit gegen Schmutz und Nässe ist, dass lackiertes Parkett gemeinhin leichter zu reinigen ist. Neben der trockenen Reinigung mit einem geeigneten Staubsauger oder Besen reicht bei lackiertem Parkett grundsätzlich das regelmäßige nebelfeuchte Wischen mit Wasser und einem schonenden Reinigungsmittel aus.

Bei geöltem Parkett hingegen lautet die Empfehlung, dem Wischwasser eine spezielle Holzbodenseife mit rückfettenden Inhaltsstoffen beizumengen. Das erleichtert nicht nur die Beseitigung von Schmutz, sondern sorgt bei jedem Reinigungsvorgang zusätzlich für die nötige Pflege der Oberfläche. Darüber hinaus ist es auch ratsam, in regelmäßigen Abständen einen Ölrefresher einzusetzen, um den Schutz aufrechtzuerhalten.

Mehr lesen Sie in unserem Ratgeber zur richtigen Pflege von Parkett.

3. Pflege

Spuren der täglichen Beanspruchung lassen sich auch bei sorgfältiger Reinigung des Fußbodens nicht gänzlich vermeiden – das gilt für lackiertes Parkett ebenso, wie für geöltes Parkett. Ein Unterschied besteht allerdings darin, wie hoch der Aufwand für die Pflege ist.

Bei geöltem Parkett wird eine Erstpflege dringend empfohlen, um einen möglichst langanhaltenden Schutz des Bodens zu gewährleisten. Spezielle Pflegeöle sorgen dafür, dass sich die Poren des Holzes vollständig öffnen und die vorhandene Gerbsäure neutralisiert. Geöltes Parkett sollte darüber hinaus in einem Abstand von ca. 2 bis 4 Jahren nachgeölt werden, bei großer Beanspruchung auch öfter. Dazu muss die Oberfläche zunächst mit einem speziellen Intensivreiniger grundgereinigt werden, bevor die Ölschicht mit entsprechenden Pflegeölen aufgefrischt wird.

Bei lackiertem Parkett hingegen ist eine Erstpflege nicht erforderlich. Allerdings können spezielle Parkett-Polish-Produkte die Widerstandsfähigkeit zusätzlich erhöhen. In weiterer Folge kann eine gelegentliche Intensivreinigung und die anschließende Behandlung mit einer geeigneten Lackpflege die Abnutzung der Oberfläche verlangsamen und feine Kratzer in der Lackschicht kaschieren.

4. Reparaturen

Hartnäckige Flecken lassen sich sowohl von lackiertem als auch von geöltem Parkett mit Hilfe von speziellen Reinigungsmitteln relativ gut entfernen. Bei der Beseitigung von kleineren bis mäßigen Beschädigungen im Parkett ist wiederum eine geölte Oberfläche im Vorteil, da dies mit verhältnismäßig geringem Aufwand verbunden ist. So können feine Kratzer meist mit Schleifpapier und Pflegeölen wegpoliert werden. Aber auch tiefere Kratzer, Risse oder andere Schäden lassen sich gut reparieren, indem sie partiell abgeschliffen werden und die betroffene Stelle neu geölt wird. Außerdem bleibt das Holz bei geölten Parkettböden auch bei Kratzern weiterhin geschützt, weil das Öl tief in die Holzporen eingedrungen ist.

Während Kratzer bei geöltem Parkett daher vorrangig einen optischen Mangel darstellen, können diese bei lackierten Böden größere Schäden nach sich ziehen. Durch die mechanische Verletzung der Lackschicht ist der Schutz des Parkettbodens nicht mehr vollständig gewährleistet und Schmutz sowie Feuchtigkeit können leichter in das Holz eindringen.

Feine, oberflächliche Kratzer in der Lackschicht lassen sich mit Polish oder speziellen Reparatursets relativ gut beheben. Bei tieferen Kratzern gestaltet sich die Reparatur wesentlich aufwändiger. Eine partielle Ausbesserung ist bei lackiertem Parkett nicht möglich – selbst wenn eine neue Lackschicht auf der reparierten Stelle aufgetragen wird, würden immer Unterschiede in der Oberfläche erkennbar bleiben. In diesen Fällen muss das Parkett vollständig abgeschliffen und neu versiegelt werden.

5. Raumklima

Ein geölter Holzboden wirkt sich auch positiv auf das Raumklima aus, weil er die Luftfeuchtigkeit besser regulieren kann. Im Gegensatz zum lackierten Parkett wird die Oberfläche eines geölten Bodenbelags nicht versiegelt, sodass das Holz weiter atmen kann. Dadurch kann der Boden Feuchtigkeit aus der Luft aufnehmen und diese langsam wieder an den Raum abgeben. Zwar reagiert auch ein lackierter Parkettboden auf Feuchtigkeit, wegen der Lackschicht allerdings vergleichsweise wenig und vor allem auch langsamer als ein geölter Boden.

6. Optik

In Sachen Optik ist bei beiden Oberflächenbehandlungen nahezu alles möglich. Durch die laufende Weiterentwicklung der Industrie gibt es sowohl bei Ölen als auch bei Lacken verschiedenste Produkte mit Glanzgraden von ultra matt bis super glänzend. So können die Vorteile einer geölten Oberfläche mit der Optik einer lackierten kombiniert werden – und umgekehrt.

7. Haptik

Weil das Holz seinen urspünglichen Charakter behält, punktet geöltes Parkett mit seiner natürlichen Haptik – vor allem beim Barfußgehen. Die direkte Berührung lässt einen die typische Maserung des Holzes spüren und ein wunderbar angenehmes Gefühl unter den Füßen entstehen – ohne zusätzliche Lackschicht. So wird jeder Schritt auf einem geölten Boden regelrecht zum Erlebnis.

8. Gesundheit und Umwelt

Dank fortschreitender technischer Entwicklung und strengen Vorschriften und Gesetzen sind heutzutage vorwiegend unbedenkliche Produkte auf dem Markt. So enthalten nahezu alle Öle und Lacke keine oder nur einen minimalen Anteil an Lösungsmitteln und stellen demnach keine Gefahr für Gesundheit oder Umwelt dar.

Wichtiger Hinweis: Vorsicht vor UV-geölten Oberflächen

Alternativ zu klassischen geölten oder lackierten Parkettböden werden auch immer wieder UV-geölte Oberflächen angeboten. Dabei handelt es sich mehr oder weniger um eine Mischung aus beiden Varianten: Lackähnliche Inhaltsstoffe werden mit Ölbestandteilen vermengt und unter UV-Lampen ausgehärtet. Diese Methode ist allerdings definitiv nicht zu empfehlen. Einerseits ist die Schutzschicht einer UV-geölte Oberfläche weitaus weniger strapazierfähig und andererseits ist – entgegen anderslautender Verkaufsargumente – eine partielle Ausbesserung von Schäden nahezu unmöglich.

Die wichtigsten Fragen im Überblick

Warum ist die Oberfläche wichtig?
Die Oberflöächenbehandlung verleiht dem Parkettboden sein typisches Erscheinungsbild und schützt ihn zudem vor Schmutz, Feuchtigkeit und Abnutzung.

Was ist der Unterschied zischen Öl und Lack?
Mit Öl wird das Holz imprägniert. Lack bildet eine eigene Schicht auf dem Holz.

Welche Oberfläche ist widerstandsfähiger?
Lackiertes Parkett gilt generell als widerstandsfähiger und robuster als geöltes Parkett.

Welche Oberfläche ist leichter zu reinigen?
Lackiertes Parkett ist normalerweise leichter zu reinigen.

Welche Pflegezeiträume gibt es?
Geöltes Parkett sollte alle 2-4 Jahre nachgeölt werden.

Welche Oberfläche ist leichter zu reaprieren?
Geöltes Parkett ist leichter zu reparieren, sowohl bei kleinen Kratzern, als auch bei Rissen.

Welche Oberfläche ist besser für das Raumklima?
Geöltes Parkett hat einen schnelleren und besseren Einfluß auf das Raumklima.

Was ist besser: geölt oder lackiertes Parkett?
Geöltes ist etwas empfindlicher, etwas pflegeaufwändiger, dafür aber natürlicher und hochwertiger.

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